Über das Stiefmütterchen gibt es eine recht kuriose Geschichte: bereits 1896 beschrieb der schwedische Züchter Veit Wittrock das Stiefmütterchen, er vergaß aber die Veröffentlichung einer wissenschaftlich korrekten Beschreibung. Erst 111 Jahre später bekam die Blume ihren offiziellen Namen zu Ehren des Schweden Wittrock zugesprochen: Viola wittrockiana
"Dass das Stiefmütterchen nach wissenschaftlichen Maßstäben lange namenlos war, fiel lange Zeit nicht auf. Erst Nauenburg, der 1986 über wilde Stiefmütterchen promoviert hatte, erkannte den Mangel. 'Ich fand keine gültige Diagnose, kein Zitat einer ersten Veröffentlichung.' Zusammen mit seinem Kollegen Buttler fügte er dann ein Puzzle aus Arbeiten in Schweden, Dänemark, Österreich, England und Deutschland zusammen." (Quelle, 29.09.2008: Hamburger Abendblatt).
 
Der Grund, warum Wittrock der Blume 1896 keinen Artnamen gegeben hat, war einfach: weil es sich um eine Bastardform aus Kreuzungen handelte. An der durch Kreuzungen entstandenen Sippe sind das Wilde Stiefmütterchen (Viola tricolor), das Gelbe Stiefmütterchen (Viola lutea) und andere Wildarten beteiligt.
 
Wenn nun auf Balkonen und in vielen Blumentöpfen Garten-Stiefmütterchen sprießen, dann fällt ein kleiner später Ruhm von Viola wittrockiana auch auf die Beschreiber Johannes D. Nauenburg und Karl Peter Buttler.
Denn die allseits beliebte Blume heißt ab sofort exakt und für die Ewigkeit festgelegt: Viola wittrockiana Gams ex Nauenburg & Buttler.
 
 
Stiefmütterchen sind kleinbleibende Pflanzen, die meistens nur eine Wuchhöhe von 15 bis 25 cm erreichen. In Wald und Wiesen kommen vor allem Hundsveilchen (Viola canina) mit deutlich kleineren Blüten vor. Auffälligstes Merkmal sind die großen Blüten, die aus 5 Segmenten bestehen und an einem langen Stiel sitzen. Das mittlere, untere Blütenblatt ist besonders groß und wird von zwei weiteren umrahmt. Meist sind sie zweifärbig. Oben befinden sich, ein wenig zurückgesetzt, zwei weitere Blütenblätter, die sich überlappen.Die schönsten Effekte erzielt man mit den herrlich bunten Stiefmütterchen, wenn man sie zwischen anderen Pflanzen setzt.
 
Beispiele: Mehrere weiße Stiefmütterchen, die von wunderbar rosaroten Tulpen überragt und mit einigen Vergissmeinnicht kombiniert werden.

Stiefmütterchen schmecken wie süße Veilchen, man kann sie daher als überaus schmackhafte Dekoration auf Früchten oder Nachspeisen verwenden. Es ist die ganze Blüte essbar. Vor dem Verzehr sollte man die Blüten lieber nicht waschen, denn die Blüten werden sonst recht leicht unansehnlich, zudem wascht man damit auch den gesunden Nektar und Blütenstaub ab.

Pflanzensteckbrief

  • Blütezeit: Oktober/November des ersten Jahres, sowie ab März/April bis Ende August (wenn man sie so lange behält) des zweiten Jahres. Wenn man regelmäßig alte Blüten entfernt, bekommen sie bis in den Spätsommer ununterbrochen Blüten!
  • Standort: Die Stiefmütterchen mögen den Halbschatten lieber, vertragen nach Gewöhnung aber auch volle Sonne.
  • Substrat: Anspruchslos, daher handelsübliche Blumenerde.
  • Gießen/Düngen: Stiefmütterchen sind bezüglich Nährstoffverbrauchs sehr genügsam. Da sie zudem nicht sehr groß werden, ist eine Düngung kaum erforderlich. Der Wasserverbrauch ist recht gering. Als (ursprüngliches) Acker(un)kraut sind sie recht robust, nicht nur was die Substratfeuchtigkeit angeht: Sie übertauern sowohl nasse wie auch trockene Perioden.
  • Schädlinge/Krankheiten: Blattläuse und Pilzliche Schädlinge, wie Grauschimmel, Echter und Fahlscher Mehltau.
  • Vermehrung: Stiefmütterchen sind prinzipiell einjährig, wobei nach h.M. die Zweijährigkeit angegeben wird, da die Veilchen im August/September des 1. Jahres ausgesät werden und diese dann (selten) im selben Jahr bzw. früh im darauf folgenden Frühjahr bereits blühen. Beim Aussäen sollte man darauf achten dies nicht an zu sonnigen Plätzen zu tun. Die Samen brauchen eine Erdtemperatur von unter 15 Grad, Keimdauer ca. 14 Tage. Die Anzucht durch Samen bzw. Teilen ist sehr einfach.
  • Aussaat: August bis September, leicht mit Erde bedecken, feucht und schattig halten. Haben die jungen Stiefmütterchen eine Höhe von fünf bis zehn Zentimetern erreicht, können sie ausgepflanzt werden.
  • Überwintern: Die meisten dieser Veilchen sind an das mitteleuropäische Klima angepaßt, sie sind sehr frostbeständig. In rauhen Lagen sollte man den pflänzchen einen leichten Winterschutz  (z.B. Stroh) verpassen.