Spinnmilben gehören zu den Spinnentieren, sie sind zwar so winzig, dass man sie nur mühevoll mit freiem Auge sehen kann, aber dennoch können sie bei Pflanzen fürchterlichen Schaden anrichten.

Allgemeines

Die Tiere sind bezüglich ihrer Größe abhängig von ihrem Ernährungszustand sehr variabel. Vor allem sind bei einem Befall sämtliche Stadien, einschließlich der feinen Spinnennetze, Ausscheidungen sowie abgeworfene weißliche Häute zu erkennen.
Weibchen weisen eine Länge von etwa 0,4 bis 0,6 mm auf, Männchen von 0,3 bis 0,45 mm. Die ellipsoiden, weichhäutigen Tiere haben eine konvexe Oberseite und sind unten abgeplattet. Kopf, Brust und Hinterleib ist wie bei allen Milbenarten zu einem ovalen Körper verschmolzen. Sie haben während der Vegetationsperiode eine durchsichtige, braungrüne Färbung mit zwei großen dunklen seitlichen Flecken (diese werden von den durchscheinenden Blindsäcken des Mitteldarmes gebildet).
Mit Ausnahme des sechsbeinigen ersten Larvenstadiums haben alle Entwicklungsstadien vier Beinpaare. Mit ihren zu Stechborsten umgewandelten Mundwerkzeugen stechen sie die Pflanzenzellen an um sie auszusaugen.
Die weltweit vorkommende Familie der Spinnmilben umfaßt insgesamt 96 Gattungen mit rund 700 Arten. Einige Spinnmilbenarten sind Schädlinge von enormer wirtschaftlicher Bedeutung, wie etwa die Rote Spinne (Panonychus ulmi), die hier beschriebene Gemeine Spinnmilbe (Tetranychus urticae) oder die Lindenspinnmilbe (Eotetranychus tiliarum).

Entwicklung und Verbreitung

Die Gemeine Spinnmilbe überwintert ausschließlich in Form der orangeroten "Winterweibchen", die im Laufe des heißen Spätsommers entstehen. Im Winter finden sie sich in Kolonien an geschützten Plätzen zusammen. Sie können extrem tiefe Temperaturen bis -15°C über mehrere Wochen schadlos überleben.
Im Frühjahr beginnen die Weibchen bei steigenden Temperaturen dann wieder mit der Nahrungsaufnahme, wandeln sich in die grünlich-transparente Sommerform um und legen dann auch wieder Eier. Diese Nachkommen besiedeln dann erneut die umgebenen Wirtspflanzen.
Dort, an den Blattunterseiten, entwickeln sie sich bei passenden Bedingungen schnell zu umfangreichen Kolonien, die sämtliche Entwicklungsstadien (Gesamtdauer bis zum ausgewachsenen Tier: etwa 10 bis 30 Tage) ihrer Art beinhalten: Aus den gelblich-transparenten, runden Eiern (Durchmesser ca. 0,13 mm) schlüpft eine sechsbeinige, maximal 0,2 mm lange, grünlich-transparente Larve. Darauf folgt eine beinlose larvale Ruhephase, aus der nach einer Häutung das erste Nymphenstadium entsteht. Ab diesem Stadium haben die Tiere dann acht Beine. Nach der zweiten Ruhephase schlüpft das zweite Nymphenstadium, aus dem nach der letzten Ruhephase das ausgewachsene Tier entsteht. Die adulten Weibchen produzieren im Laufe ihres zwei- bis fünfwöchigen Lebens etwa 50 bis 100 Eier.

Entwicklungsablauf: Ei >> Larve >> Nymphen >> Ausgewachsenes Tier

Spinnmilben lieben trockene, warme Luft. Diese Tatsachen erklärt das oft massive Auftreten dieser Schädlinge während der Heizperioden bzw. während der Hochsommermonate! Bei solch Idealverhältnissen vermehren sie sich rasend schnell. Unter guten Lebensbedingungen, d.h. bei trockenem, heißem Klima, vor allem im Hochsommer, vollzieht sich der Lebenszyklus derart rasch, dass dann aus einem abgelegten Ei binnen etwa einer Woche erneut ein erwachsenes Weibchen entstehen kann.

Schadsymptome

Spinnmilben saugen bevorzugt auf der Blattunterseite in der Nähe der Blattadern. Bei starkem Befall sind sie jedoch auf dem gesamten Blatt anzutreffen. Die Gemeine Spinnmilbe sticht mit ihren Mundwerkzeugen von der Blattunterseite her u.a. die untere Epidermis an, um den zuckerhaltigen Zellsaft sowie die Chloroplasten der Pflanze aufzusaugen. Eine Milbe kann dabei rund 20 Einstiche pro Minute durchführen. Als Folge kollabieren die angegriffen Pflanzenzellen relativ schnell.

Es folgt eine physiologische Reaktion der Pflanze, die zu einer steigenden Wasseraufnahme und erhöhter Transpiration führt. Das Blatt wirkt anfänglich fein gesprenkelt. Bei fortschreitender Schädigung verfärbt es sich graubraun.

Die Transpirationsrate übertrifft bald die Wasseraufnahme, so daß stark befallene Blätter langsam vertrocknen. Auf den Blättern treten daher bei Befall zunächst kleine helle, gelblichweiße Flecken auf. Stärker befallene Blätter ändern ihre Farbe von grün zu grau- oder kupferbraun und fallen schließlich ab.

Bei fortschreitendem Befall entwickeln sich zudem feine Gespinste an den Pflanzen, vor allem an den Blattunterseiten, aber auch an den Trieben.

 

  • Verfärbungen an den befallenen Blättern: Zuerst weißliche bis gelbliche Flecken, später grau-braune Farbe.
  • Welke: Aufgrund der hohen Verdunstung durch die perforierten Blätter kommt es zum Verwelken und Absterben der Blätter.
  • Gespinstbildung (nur bei der Spinnmilbe): Feine Spinnfäden überziehen die befallenen Pflanzen und bilden damit einen geschützten Lebensraum für die Milben (die Gespinste lassen sich durch besprühen mit Wasser leicht sichtbar machen).
  • Formveränderung: Blattkräuselung, Blattpockenbildung, Vergallung der Knospen.
  • Berostung: Zahlreiche braune Stellen, abgestorbener Zellen überziehen die Blätter und Früchte.

 

Gegenmaßnahmen

 

  • Sofortmaßnahme: Intensive Wasserbehandlungen in jeder Form, z.B. mit Wasserschlauchmehrere Minuten abduschen. Topfpflanzen einfach unter die Dusche stellen.
  • Vorbeugende Maßnahmen: Verwendung von milbenfreien Pflanzenmaterial. Wichtig: Stickstoffdüngung begrenzen. Überdüngte Pflanzen werden bevorzugt befallen. Zudem sollte man die Gartenpflanzen durch häufiges Benebeln oder Abspritzen feucht halten.
  • Im Allgemeinen gilt, je früher man Gegenmaßnahmen ergreift, desto effektiver sind diese, da bereits die Grundpopulation bekämpft wird. Durch häufiges Einsprühen der Pflanzen mit möglichst kalkfreiem Wasser kann man meist einem starken Befall mit Spinnmilben vorbeugen. Da Spinnmilben vor allem geschwächte Pflanzen angreifen, ist als Vorbeugung, aber auch zur Unterstützung der Behandlung die Stärkung der Pflanze besonders wichtig. Düngen mit den richtigen Nährstoffen (jedoch mit geringem Stickstoffanteil!), sowie Wahl des optimalen Standortes. Die Pflanzen müssen über ausreichend Luftfeuchtigkeit, genug Licht und Luft verfügen.
  • Biologische Bekämpfung: Im Gewächshaus können als natürliche Feinde Raubmilben oder Blumenwanzen eingesetzt werden. Sie fressen vorzugsweise Spinnmilben und andere Schädlinge und richten sonst keinen Schaden an den Pflanzen an. Hier muß die Aussetzung aber rechtzeitig erfolgen.
    Wenn sich der Befall noch in Maßen hält, kann man mit mehrmaligem Abspritzen der Blattunterseiten durch Knoblauchwasser (500 g Knoblauch auf 10 l Wasser kurz aufkochen und ziehen lassen ) oder extra starkem Basilikumtee ein Eindämmen des Befalls herbei führen.
    Brennesseljauche: 1 kg frische Brennesseln auf 10 l Wasser ansetzten und einige Tage gären lassen (täglich umrühren!). Dieser Sud wird 1:50 verdünnt und breitflächig auf die befallenen Pflanzenteile gespritzt.
    Eine gut funktionierende Mischung ätherischer Öle wird mit einem halben Liter Wasser aufbereitet: 15 Tropfen Lavendelöl, 15 Tropfen Teebaumöl, 5 Tropfen Thymian. Damit sollte man vor allem die Blattunterseiten bearbeiten, da hier die Spinnen sitzen.
    Noch bessere Ergebnisse erzielt man mit Neemöl, welches man bereits in jedem besseren Bau- oder Blumenmarkt erhält. Auch hier muß vor allem die Blattunterseiten besprüht werden.
    Hartlaubige Pflanzen können mit speziellen Ölen (Rapsöl, Weißöl) behandelt werden.
    Ebenfalls wirksam sind nützlingschonende Spritzmittel aus natürlichen Fettsäuren mit Kaliumsalzen. Auch Insektizidstäbchen zeigen während der Hauptwachstumszeit eine ausreichende Wirkung gegen Spinnmilben.
  • Einsatz von Akariziden (dies sind Pestizide oder Biozide zur Bekämpfung von Milben und Zecken): Bei sehr starkem Befall helfen meist nur mehr chemische Spritzmittel und/oder ein starkes Zurückschneiden, bzw. die komplette Vernichtung der betroffenen Pflanze. Sich bitte hierbei im jeweiligen Fachgeschäft im Detail beraten lassen. Zur Bekämpfung der Spinnmilben stehen im Handel zahlreiche Pflanzenschutzsprays zur Verfügung: Pflanzenspray Hortex D, Bio Myctan Spinnmilbenfrei, Spruzit Schädlingsfrei, Schädlingsfrei Neem, Neudosan Neu oder Lizetan Plus Zierpflanzenspray. Da Spinnmilben sehr rasch Resistenzen entwickeln, sollte man die verwendeten Mittel regelmäßig (mehrmals im Jahr) wechseln!