Um den oft grausig-kalten Winter in heimeliger Umgebung genießen zu können, bedarf es neben gutem Tee und schmackhaften Keksen, einer warmen Decke und dicken Socken auch ein entsprechend wärmendes Leuchten, das von wunderschönen, flackernden Kerzen ausgeht. Der Artikel liefert eine Anleitung, um selbst Kerzen zu gießen und diese möglichst winterlich zu dekorieren.


Beachtet man wenige wichtige Grundregeln des Kerzenmachens, dann werden schon die ersten Kerzen mit Erfolg gegossen. Bitte beachte, das aufgrund der erhöhten Verletzungsgefahr des heißen Wachses, Kinder niemals unbeaufsichtigt Kerzen gießen sollten.

 

Die erste und wichtigste Frage: Welches Wachs soll man verwenden?


Sowohl relativ billiges Paraffin z.B. aus den Resten alter Kerzenstummel, als auch wunderbar nach Honig duftendes Bienenwachs eignen sich zum Kerzengießen. Hier kann man kaum Fehler begehen. Im Handel kauft man diese Grundstoffe meist in ganzen Blöcken (umständlicher zu portionieren), oder als Granulat. Bienenwachs erhält man oft in Form von flachen Wabenplatten. Zusätzlich zum Wachs benötigt man noch einen Docht in entsprechender Länge. Am ehesten erhält man diese Dinge in gutsortierten Drogerien, sowie Bastel- und Malerbedarfsgeschäften.

 

Zusätze um Farbe ins Spiel zu bringen


Das an sich weiße Paraffin kann man sehr leicht mit fettlöslichen Farben einfärben, normalerweise bekommt man bereits fertig zubereitete, spezielle Farbmischungen für das Wachsgießen zum Kaufen.

Wenn man mit mehreren Farben gießt, dann kann man sehr einfach gestreifte Kerzen basteln, indem man immer eine gerade gegossene "Schicht" auskühlen läßt, bevor man mit der nächsten Farbe weiter arbeitet.

 

Die richtige Dochtstärke und die richtige Brennrichtung


Ist der Docht im Verhältnis zum Kerzendurchmesser zu dünn, dann kann er das ganze flüssige Wachs nicht aufnehmen und verbrennen, er "sauft" regelrecht ab und wird von dem flüssigen Wachs überschwemmt. Ist der Docht zu dick, wird zu viel von dem Wachs angezogen, es wird zu rasch verbraucht und die Kerze beginnt stark zu rußen. Die gängigsten Größen liegen zwischen 5 und 9.

Die Länge des Dochts muß so gewählt werden, das er sowohl nach oben etwa 1,5 cm, als auch am Boden der Kerze etwa 1,5 cm herausragt. Bitte beachte, es gibt immer ein oberes und ein unteres Ende. Bei den Dochten muss man darauf achten, ob sie eine festgelegte Brennrichtung haben. Das obere Ende des Dochtes ist stets markiert. Wenn man die Brennrichtung nicht beachtet, kann die Kerze später nicht richtig abbrennen. Zur Sicherheit markiert man beim Auseinanderschneiden das untere Ende meist mit einem Knoten.


Tipp: Der Docht einer Kerze sollte vor jedem Anzünden mit einer Schere gekürzt werden und wenn die Kerze sehr lange brennt, kann das Kürzen des Dochtes auch in der Brennzeit notwendig werden. So ist ein sauberes Abbrennen der Kerze gewährleistet.

 

Wachs richtig schmelzen


Kerzenwachs darf niemals am offenen Feuer oder Elektroherd direkt geschmolzen werden, da es hierbei sehr leicht zu einer Überhitzung und in Folge dessen zu einem explosionsartigen Brand kommen kann. Ähnlich der Kuvertüre schmilzt man Wachs am besten in einem ausreichend großen Wasserbad bis es flüssig ist. Achtung: frisch geschmolzenes Wachs sollte man nicht sofort verarbeiten, da es sich durch die Hitze ausgedehnt hat. Beim Erkalten würde es sich unschön zusammen ziehen und sehr stark schrumpfen. Besser ist es, ein wenig zu warten, und dann erst die Kerze zu gießen.

 

Rundkerze, die einfachste Art der Gußform: Becher


Für die einfachste Rundkerze benötigt man einen Becher oder ein ähnliches rundes Behältnis. Am Boden sticht man ein kleines Loch und fädelt dort die Dochtspitze durch (dies ist später der Oberteil der Kerze). Der Docht wird hier nun zweimal verknotet, dies verhindert - sofern man entsprechend langsam gießt - ein Auslaufen des Wachses.

Das gegenüberliegende Ende des Dochtes wird mit einem Stäbchen verknotet. Es muss nun so verkeilt werden, das der Docht relativ straff in der Mitte der runden Form "steht". Das Wachs vorsichtig in die Form gießen. Das Wachs einige Zeit abkühlen lasen. Je nach Größe der Kerze kann dies 1 bis 2 Stunden dauern.

 

In Gläser gießen um hübsche Glaskerzen zu erhalten.


Vor allem bei durchsichtigen Gläsern kann man hier seinen Ideen freien Lauf lassen. Das Einfüllen des heißen Wachses sollte jedoch langsam verlaufen, damit die Gläser nicht springen. So könnte man z.B. die Farben einer Schichtkerze so wählen, das es einem Latte Macchiato oder einem Schichten-Cocktail ähnelt, wobei man als Deko einen Strohhalm, Streusel oder Orangenschalen einbinden kann (dabei muss aber beachtet werden, das dieser der Flamme nie zu nahe kommen darf!). Auch einfärbig kann man Getränke nachbilden. Wenn man rotes Wachs mit einem Zimtröllchen, Gewürznelken usw. ausstattet, dann kann man einen sehr naturgetreuen Punsch kreieren.

Schwierig ist es hierbei, den Docht während des Gießens gerade zu halten. Da hat bisher immer ein kleiner Trick gute Dienste geleistet. Man befestigt einfach das untere Ende des Dochtes mit einem Teil des Wachses und läßt es komplett erkalten, oder man "klebt den Docht mit einer Wachskugel an den Glasboden an. Am oberen Ende des Glases wird der Docht wieder mit einem Stäbchen entsprechend befestigt.

 

In kleine (Keramik-)Blumentöpfe gießen


Die meisten Ton- bzw. Blumentöpfe haben ein Abflussloch für überschüssiges Wasser. Dies kann man hervorragend für das mittige Einführen des Dochtes (Brennrichtung beachten!) nutzen. Um ein Auslaufen zu verhindern, verschließt man das restliche Loch z.B. mit etwas Erde oder Sand. Der Docht wird wiederum mit einem quer verlaufenden Stäbchen in die Gerade gezwungen, um einen möglichst geraden Brennablauf zu garantieren. Schließlich wird das heiße Wachs in die Form gefüllt. Wenn das Wachs erhärtet ist, muss man noch am Boden der Kerze den Sand bzw. die Erde entfernen.

 

Eiskerze


Eine Eiskerze kann man sehr einfach mit weißem, bzw. bläulichem oder leicht grauem Wachs basteln. Um den Effekt zu verstärken, sollte man innen eine dünklere Farbe als außen gießen. Der Effekt entsteht durch ganz langsames Abkühlen der Kerze und einem nachträglichen (etwa nach 24 Stunden) Einfrieren und Wiederauftauen der Kerze. Durch die temerpaturbedingten Oberflächenspannung entstehen Risse, wie im Eis, die Oberfläche selbst ist unbeschädigt, also glatt.

 

Orangenschalenkerzen und Nusschalenkerzen


Zitrusfrüchte verbreiten einen wunderbar frischen Duft. Schneidet man sie in der Mitte auseinander und höhlt sie sauber aus, erhält man wunderbare Schalen für Kerzen. Ähnliches Gilt für alle Arten von Nusschalen.

Bohre vorsichtig am Grund der Früchte ein Loch und fädle den Docht hindurch (Brennrichtung beachten!). Verknote den Docht zweimal, damit das Loch dicht abschließt. Dann fädle das andere Ende des Dochtes wieder um ein Stäbchen und strecke den Docht gerade. Schließlich gieße die Formen z.B. mit gelben Wachs aus und lasse alles erkalten. Eine Schale, gefüllt mit diesen besonderen Früchten ist für jeden ein Hingucker.

Früchte und Nüsse für duftende Kerzen (c) Grey59 / pixelio.de

 

Das Party-Spiel schlechthin: Kerzen ziehen


Der Docht muß etwa 15 cm länger geschnitten werden, als die Kerze hoch werden soll. Die Kerzenhöhe ist abhängig von der Höhe des Tauchgefäßes. Knüpfe in das obere Dochtende eine Schlaufe, knote an das untere Dochtende einen Nagel. Der Nagel soll verhindern, dass die im Laufe des Ziehens warme Kerze vom Docht rutscht.

Baue eine einfache Aufhängevorrichtung auf, z.B. einen Besenstil, um daran die Dochtkerzen zwischenkühlen zu lassen.

Schmelze das Wachs mit der Topf-in-Topf-Methode.

Das flüssige Wachs in die Dose gießen und die Dose in das 2. Wasserbad stellen, auf kleinster Flamme warmhalten. Den Docht kurz in das Wachs tauchen und an der Schlaufe aufhängen bis das Wachs am Docht fest geworden ist. Dies mit den weiteren Dochten durchführen. Wenn alle Dochte einmal getaucht wurden beginnt man wieder beim 1. Docht, kurz eintauchen , abtropfen lassen und aufhängen. Im weiteren Verlauf wird die Wachsschicht um den Docht immer dicker.

Je dicker die Kerze wird, umso länger muß die Kerze zwischen den Tauchvorgängen abkühlen.

Hat die Kerze den gewünschten Durchmesser erreicht, dann das überschüssige Wachs an der Unterseite abschneiden, jetzt aber oberhalb des Nagels, sodass der Nagel entfernt werden kann. Teste ob die Kerze gerade steht, ggf. gerade richten, nun die Kerze ein letztes Mal tauchen und zum Auskühlen aufhängen.

Wenn die Kerze kalt ist kann die Dochtschlaufe abgeschnitten werden - die kerze ist fertig.

Kerzen aus duftenden Bienenwachs-Platten rollen

 

Vor allem diese Methode ist für Kinder geeignet, da sie ungefährlich und relativ sauber vonstatten geht. Das Bienenwachs ist ein Wachs rein natürlichen Ursprungs - auf den Wachsplatten bauen Bienen im Stock ihre Waben.

Die Bienenwachsplatten werden über Wasserdampf oder vorsichtig auf der Heizung erwärmt und damit geschmeidig und biegsam gemacht. Der Docht wird auf einer Seite der Platte eingedrückt und über die gewünschte Länge der Platte gelegt (=Höhe der Kerze), dann kann die Kerze gerollt werden. Wichtig ist, dass man den Anfang möglichst genau rollt. Mit kleinen Dekobienen aus dem Bastelgeschäft verziert, wird aus den gerollten Kerzen ein liebevoll gestaltetes Geschenk!

Vorsicht: Sind die Platten nicht ausreichend erwärmt, können sie brechen!

Sollte das Wachs einmal brechen, ist dies kein Problem. Rolle einfach vorsichtig weiter. Eine Bruchstelle hat keinen Einfluss auf das Aussehen oder die Brenneigenschaften.

Achte auch darauf, dass du die Kerze unter leichtem Druck relativ dicht rollst, nur so erhältst du

die besten Ergebnisse. Nach dem Rollen sollte die Kante noch festgedrückt werden, um ein späteres Aufspringen zu vermeiden. Mit einfachen Hilfsmitteln lassen sich z.B. aus Resten der Wabenplatten Verzierungen herstellen. Mit Keksformen lassen sich Formen ausstechen.